WANDERER Motorräder

Kurze Firmengeschichte

 

Johann Baptist Winkelhofer und Richard Adolf Jaenicke bauten bereits seit 1886 Fahrräder unter dem Markennamen WANDERER. Diese waren von hoher Qualität und innovativ: so gab es ab 1898 schon Rollenketten (statt der noch üblichen Blockkettten) und ab 1902 eine Hinterradnabe mit Doppelübersetzung.

 

1902 kam dann die Fertigung von Motorrädern hinzu. Nachdem WANDERER schon seit 1899 Werkzeugmaschinen (und Schreibmaschinen) produzierte, entschloss man sich, nicht nur die Motoren und das Fahrgestell, sondern möglichst alle Teile selbst herzustellen. Hierzu wurde sogar eine WANDERER-eigene Gewindesteigung erfunden. Schon in diesen Anfangsjahren erwarb sich WANDERER einen sehr guten Ruf und auch die allgemeine Motorradabsatzkrise ab 1907 überstand WANDERER als eine der wenigen deutschen Firmen dank des Exportgeschäfts.

 

1912 zog WANDERER von Chemnitz (Poststr. 38) nach Schönau bei Chemitz in eine neue, moderne Fabrik um. Während des 1. Weltkriegs produzierte WANDERER in großen Stückzahlen die 4 PS V-Zweizylinder mit Leerlauf, Doppelübersetzung und Riemenantrieb.

 

Nach dem 1. Weltkrieg wurde eine 327 ccm-Einzylinder (“2 1/2 PS”), und eine 616 ccm V-Zweizylindermaschine (“4 1/2 PS”) gefertigt. Beide hatten seitengesteuerte Blockmotoren mit Dreiganggetriebe.Wie die NSU-Werke in Neckarsulm erweiterten auch die Wanderer-Werke in Chemnitz 1909 ihr Angebot um eine große V-Zweizylinder-Maschine. Der Glanzpunkt des Unternehmens in den frühen 20er Jahren: Die „616”. Die Wanderer  hatte im Gegensatz zu den Vorgängermodellen keine Ähnlichkeit mehr mit dem Fahrrad. Die Füße ruhten bequem auf komfortablen Trittbrettern statt auf Tretpedalen. Es gab einen Kickstarter, und das neue Dreiganggetriebe saß im Blockmotor. Auch beim Hinterradantrieb hatte sich nun der Kettenantrieb gegenüber dem Keilriemen durchgesetzt.

 

Zwei besondere Motorräder brachte WANDERER dann 1924 heraus: eine 184 ccm “4-Ventiler” mit liegendem Einzylinder und eine 708 ccm “8-Ventiler” mit V-Zweizylindermotor. Beide waren “kopfgesteuerte” ohv-Motoren, weshalb sie ihrer Zeit weit voraus waren. Allerdings wurden diese Modelle nach 2 Jahren wieder aufgegeben, hauptsächlich wegen deren hohen Preisen.

 

Ende 1926 erschienen deshalb ebenso leistungsfähige, jedoch preisgünstigere Nachfolgemodelle, die im Hubraum vergrößert wurden (196 ccm bzw. 748 ccm) und nur noch über 2 Ventile je Brennraum verfügten

 

Die letzte WANDERER - Motorradkonstruktion erschien 1928: eine 499 ccm Einzylinder-ohv-Blockmodell mit Kardanantrieb und dem damals modernen Preßstahlrahmen. Diese litt jedoch unter einigen Kinderkrankheiten, was die Situation für WANDERER in der ohnehin schwierigen Zeit der Wirtschaftskrise Ende der 20er-Jahre verschlechterte.

 

So gab WANDERER 1929 den Motorradbau auf, um sich sich fortan stärker auf die lukrativeren anderen Geschäftszweige (Werkzeug- und Schreibmaschinen, Automobile) zu konzentrieren.

 

Die Verkaufsorganisation der WANDERER - Motorräder kaufte Konkurrent NSU, um selbst weiter expandieren zu können. So konnte man noch bis Anfang der 30er-Jahre beim NSU-Händler WANDERER-Motorräder kaufen.

 

Fertigungsanlagen und Konstruktionszeichnungen kaufte die damals neue Prager Firma Janecek, welche an die zwei Anfangsbuchstaben die ersten beiden von Wanderer anhängte, wodurch der neue Markenname JAWA entstand. Bis 1933 wurde dort noch das 499ccm Kardan-Blockmodell weitergebaut.

 

In den 30er-Jahren stellte WANDERER nur noch Fahrräder mit Hilfsmotor und Motorfahrräder her. Eingebaut wurden hier Motoren von Fichtel & Sachs sowie ILO mit 60, 75, 98 und 125 ccm. 1940 endete dann auch dieser Zweig der WANDERER - Zweiradfertigung.